Christian August Nagel – Eine Kurzbiographie

Am 2. Februar 1845, als die Außenarbeiten ruhten, schloss er den Lebensbund mit Elvira Wilhelmine Reimer. Mit ihr hat er fast 60 Jahre in glücklicher Ehe gelebt, die durch den Tod von vier Kinderngetrübt wurde” [2].
1846, arbeitete Nagel als “Section-Ingenieur” bei der Löbau-Zittauer Eisenbahn. Am 1. Juni 1848, also im Herausgabejahr des Manifestes der Kommunistischen Partei, wurde ihm die Stelle gekündigt.
Bis zu seiner Einstellung als Assistent Prof. Schuberts an der Technischen Bildungsanstaltzu Dresden im Jahre 1849 war er als Vermessungsingenieur bei der Grenzregulierung/Grenzlandaufnahme zwischen Sachsen und Böhmen beschäftigt.

2. Nagels Wirken an der Dresdner Technischen Bildungsanstalt

2. 1. Nagel als Lehrery

Bis zum Jahre 1849 wurde die Geodäsie von Professor Schubert gelehrt, der aber durch eine Vielzahl von Verpflichtungen sehr belastet wurde, was nicht ohne Auswirkungen auf den Umfang der Ausbildung blieb. “Das Bedürfnis einer umfänglicheren Betreibung der Geodäsie … gab die Veranlassung, denEisenbahn- und Vermessungsingenieur Nagel als Assistenten für Geodäsie” einzustellen [3]. Am 1. Mai 1849, zwei Tage vor dem Dresdner Maiaufstand, der vom preußischen und sächsischen Militär blutig niedergeschlagen wurde, trat Nagel seinen Dienst an.
Zu Beginn seiner Tätigkeit wurden ihm die Leitung der praktischen Geodäsie-Übungen, der Unterricht im Situationszeichnen und vertretungsweise der Unterricht im geometrischen Zeichnen übertragen. Außerdem war er, bei Prof. Schuberts Vorlesungen anwesend, was ihm bei der Vervollkommnung seines Wissens half. Bereits ein Jahr später hielt er die Vorlesungen für praktische Geometrie und höhere Geodäsie selbst. Aus dem damit verbundenen Literaturstudium gelangte Nagel zu der Erkenntnis, “dass nach dem neuesten Stande der Wissenschaft ohne Methode der kleinsten Quadrate der Vortrag über höhere Geodäsie nicht nutzbringend sein könne, weshalb ich mich entschloss, diese Methode in meine Vorträge als selbständige Disciplin einzuführen” [4]. Mitder Ernennung Nagels als ordentlicher Lehrer am 1. April 1852 wurde die Geodäsie eigenes Lehrfach” [5]. Noch im gleichen Jahr wurde ihm die Durchführung der Feldmesserprüfungen übertragen. Eigens zu diesem Zweck ließ er sich einige praktische Aufgaben geben, so dass er für diese Prüfungen aktuelle Themen aus der Praxis hatte.
Entsprechend ihrer in den Jahren seit der Gründung erlangten Bedeutung wurde die Technische Bildungsanstalt am 23. November 1851 in Polytechnische Schule umbenannt. Auf Antrag Nagels wurde auch die große Vermessungsübung eingeführt, um die Auszubildenden zur selbständigen schöpferischen Arbeit unter praxisnahen Bedingungen zu erziehen. Tatsächlich bewährte sich diese Ausbildungsform sehr gut, was Nagel auch zu seinem 25. Dienstjubiläum 1874 von 200 ehemaligen Schülern bestätigt wurde. Ja, diese Übung wurde sogar “in der folgenden Zeit von allen anderen Ausbildungsstätten übernommen” [6].
Nach 9jähriger Tätigkeit als Lehrer an der Polytechnischen Schule wird Nagel zum Professor ernannt. Somit erhielt die Geodäsie einen eigenen Lehrstuhl.
Mit Hilfe der Direktoren Hülsse und später Zeuner, der Nagels Arbeit sehr hoch einschätzte, gelang es ihm, die geodätische Sammlung auszubauen. 1853 enthielt diese “14 in allenTeilen vollständig eingerichtete Messapparate und ausserdem 36 andere Instrumente, darunter zwei Theodolite und zwei Planimeter … (und [d.A.] die nothwendigsten Mittel zur Verdeutlichung der Himmelserscheinungen” [7]. Seit Nagels Schülerzeit war sie um einige Meßtischausrüstungen und einen Reichenbachschen Repetionstheodoliten erweitert worden.
Bis zum Jahre 1893 übte Nagel seine Lehrtätigkeit trotz der hohen Belastungen, die mit seinen wissenschaftlichen Aufgaben verbunden waren, unermüdlich aus, wobei er sich um verschiedene Verbesserungen bemühte. 1875 siedelte die Polytechnische Schule in den Neubau am heutigenFriedrich-List-Platz über (das Gebäude wurde von angloamerikanischen Bomben im zweiten Weltkrieg zerstört). Gleichzeitig wurde auf Nagels Veranlassung aus derIngenieur-Abteilung die Fachrichtung Vermessungswesen abgezweigt.
Im Laufe seiner Tätigkeit wurde ihm vom zuständigen Ministerium auch der Vorsitz der Kommission für die Feldmesserprüfungenübertragen. Als Prüfender stellte Nagel hohe Anforderungen. So charakterisierte ihn Gerke, dass er als “Examinator mit eiserner Strenge, an den Vorschriften …” festhielt und “bei all seiner Herzensgüte keine Milde walten ließ\” [8]. Einer seiner wohl bekanntesten, Schüler, der später auch als sein Assistent arbeitete, ist, der “größte deutsche Geodät der letzten hundert Jahre, Prof. Dr. Friedrich Robert Helmert” [9].
Über Nagels Wirken als Lehrer liegen nur noch einige Berichte aus den Jahren 1890 bis 1893 vor, die anderen sind durch Kriegseinwirkung verbrannt. Einen Überblick der Vorlesungen und Übungen mag die Tafel1 vermitteln.
Die Anzahl der Studenten ist natürlich nicht ohne weiteres mit der heutigen vergleichbar. So nahmen 1890, in dem Jahr, als Nagels “Assistent Uhlich zum Professor für Markscheidekunst und Geodäsie an der Köngl. Bergakademie zu Freiberg” [10] ernannt wird, 16 Studierende an der großen Vermessungsübung im September teil. Im Studienjahr 1892/93 wurden insgesamt 77 Studierende und Zuhörer für das Bauingenieurstudium und 5 für das Vermessungsingenieurstudium an der Bildungseinrichtung, der seit 1890 die Würde als Technische Hochschule zugesprochen worden ist, zugelassen. Die Vorprüfungen als Voraussetzung zum Erwerb des Diploms wurden durch 1Bau- und 1 Vermessungsingenieur abgelegt. Insgesamt 4 Bauingenieure und 1 Vermessungsingenieur unterzogen sich der Diplomprüfung (nach [11]).
Wegen seines hohen Alters und einer Erkrankung des “Beobachtungsauges” betrieb Nagel 1893 seine Emeritierung. Das Entpflichtungsgesuch ist vom 15. Mai desselben Jahres datiert. Am 1. Oktober 1893 trat er in den Ruhestand. Als Nachfolger wurde Bernhard Pattenhausen von der Technischen Hochschule Braunschweig berufen.
Im Bericht der “Königlich Sächsischen Hochschule” von 1893/94 wird über Nagel u. a. geschrieben: “In seltener Weise hat derselbe es verstanden, in der studierenden Jugend die Freude an exakter Arbeit zu erwecken und seine Schüler nicht nur mit tüchtigen theoretischen Kenntnissen auszurüsten, sondern, ihnen auch eine gründliche praktische Ausbildung im Vermessungsfache angedeihen zu lassen. Von segensreichem Einflusse auf seine Lehrtätigkeit war die Mitwirkung an vielen großen geodätischen Arbeiten namentlich … an … der europäischen Gradmessung” [12].
Tafel 1. Der von Nagel erteilte Unterricht 1892 und 1893 (nach [16])

Zeitraum der Vorlesungen und Übungen Stunden je Woche
Sommersemester 1892
1 . Trassieren von Verkehrswegen (Vorlesung) 2
2. Methode der kleinsten Quadrate (Vorlesung) 2
3. Triangulierungsübungen 4
4. Geodätisches Praktikum (1 Tag im Freien) 10
5. Planzeichnen 4
6. Feldmessen 4
7. Praktisch – geodätische Arbeiten, Trassierungsübungen im Monat
September
Wintersemester 1892193
1. Geodäsie I 4
2. Geodäsie I (Übungen) 2
3. Geodäsie II 4
4. Geodätisches Zeichnen 2
5. Geodätische Ausarbeitungen für Bauingenieure 4
6. Geodätische Ausarbeitungen für Vermessungsingenieure 6
7. Terrainzeichnen für Bauingenieure 2
8. Terrainzeichnen für Vermessungsingenieure 4
9.Skizzieren geodätischer Instrumente 2
Sommersemester 1893
1. Methode der kleinsten Quadrate (Vorlesung) 2
2. Triangulierungsübungen 4
3. Geodätisches Praktikum (1 Tag im Freien) 10
4. Planzeichnen .4
5. Sphärische Astronomie 2
Als Assistenten standen ihm zur Seite:
- im Sommersemester 1892 Ehnert
-7 im Sommersemester 1893 Richter
Im Wintersemester 1892/93 blieb die Assistentenstelle unbesetzt

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