Entwicklung externer Speicher für RETA im Rationalisierungsmittelbau des VEB Geodäsie und Kartographie Dresden

Dr.-Ing. Holger Sefkow (KDT) und Dr.-Ing. Lutz Barthel (KDT), VEB Geodäsie und Kartographie Dresden

Seit einiger Zeit sind im VEB Geodäsie und Kartographie (KGK) die elektronischen Tachymeter RECOTA und RETA [nicht zu verwechseln mit dem Redta 002,d. A.] des Kombinats VEB Carl Zeiss JENA im Einsatz. Das RECOTA ist mit einer Schnittstelle zum Anschluss externer oder interner Speicher (z.B. Micronic 445 L, FSI 1016) ausgerüstet, während das im KGK überwiegend eingesetzte RETA nur eine Schnittstelle für externe Speicher bedient. Als externe Speicher können der Micronic 445 L bzw. FSE 1020/1032 des Kombinates VEB Carl Zeiss JENA verwendet werden. Durch Einsatz dieser zusätzlichen Speicher ist es möglich, den durchgängigen Datenfluss von der Aufnahme im Felde bis zum Finalprodukt technologisch zu realisieren. Da der Micronic nur begrenzt verfügbar und der FSE zuerst für das RENI vorgesehen waren, wurde Anfang 1987 beschlossen, geeignete Speicher, speziell zum Anschluss an das RETA, im VEB Geodäsie und Kartographie Dresden in der Werkstatt für Rationalsierungsmittelbau zu entwickeln und zu fertigen.

1. Die externen Speicher ISER und ASR

Der erste Speichertyp, der in Zusammenarbeit mit dem Elektroniklabor der Sektion Geodäsie und Kartographie der TU Dresden entwickelt wurde, trägt die Bezeichnung ISER (Intelligenter Speicher Extern für RETA). Dieser hat eine Kapazität von etwa 5000 Datenzeilen (Tafel 1). Die technische Realisierung basiert auf dem Prozessor U880 und Speicherschaltkreisen VL 224. Der ISER erfordert eine externe Stromversorgung von 12 V. Im Einsatz wird deshalb zusätzlich eine Batterie benötigt; der Anschluss an das 12-V-Bordnetz eines Kraftfahrzeuges ist möglich. Abmessungen, Masse und die zusätzliche Stromversorgung bedingen, dass der ISER separat neben dem RETA, z.B. zwischen den Stativbeinen aufzustellen und über Kabel sowohl mit der externen Spannungsquelle als auch mit dem Tachymeter zu koppeln ist.
Mit den bei der Produktion des ISER gewonnen Erfahrungen wurde im Frühjahr 1988 ein neuer Speicher mit moderneren Bauelementen, der ASR-88 (Aufsatzspeicher RETA 1988), konzipiert und das Muster in Zusammenarbeit mit der TH Wismar, Sektion Technologie der Elektrotechnik/Elektronik, erstellt. Die Speicherkapazität beträgt 3000 Zeilen (Tafel 1). Durch die weitgehenden Verwendung vonCMOS – Bauelementen, Speicherschaltkreisen U 6516 und des Prozessors U 882 wurden Masse, Volumen und Stromaufnahme wesentlich reduziert. Im Ruhezustand beträgt die Stromaufnahme etwas 1 mA, beim Abspeichern eines Datenblockes steigt sie für etwa 1s auf 300 mA. Dadurch ist es möglich, den ASR-88 als Aufsatzgerät auszuführen und die Stromversorgung über den 5-V-Anschluss der V.24-Schnittstelle aus der RETA Batterie zu realisieren. Der ASR-88 wird direkt an die V.24-Schnittstelle zwischen den Griffen des RETA angeschlossen. Die Auslieferung der ersten ASR-88 begann Anfang 1989. Gleichzeitig wurde Software zum Auslesen uns Speichern der Daten auf Diskette entwickelt.
Parallel mit der Speicherentwicklung begann die Ausarbeitung einer entsprechenden Technologievariante und dazugehöriger Dokumentationen in der betrieblichen Forschungsgruppe.

Tafel 1: Speicherdaten

Parameter ISER ASR-88
Länge-Breite-Höhe 356mm*256mm*80mm 255mm*85mm*45mm
Masse 2 kg 0,4 kg
Speicherkapazität
Zeichen 64 K Byte 48 K Byte
Zeilen 5000 3050
Blöcke *) etwa 900 etwa 560
Anzahl der eingesetzten Schaltkreise 92 21

*) für Blocklängen zwischen 5 und 6 Zeilen

2. Einige Besonderheiten

Beide Speicher sind bei allen RETA – Geräten der Produktionsnummern bis 800000 unmittelbar verwendbar. Für den Einsatz mit den Tachymetern höherer Produktionsnummern, die mit einem anderen Prozessor arbeiten und einen zusätzlichen Speicherhalter benötigen, ist die Verwendung von ISER und ASR-88 nur nach Umstellung durch den VEB Geodäsie und Kartographie Dresden möglich.
Die Speicher besitzen interne Stützakkumulatoren zur Datensicherung bis zum Auslesen. Bei Betrieb des Speichers werden diese Akkumulatoren gepuffert. Der notwendige Ladungszustand der Batterien ist deshalb bei regelmäßiger Benutzung gesichert. Bei längerer Nichtbenutzung sind die Stützakkumulatoren durch Anschluss einer externen Stromversorgung nachzuladen. Eine weitere Wartung von ISER und ASR-88 ist nicht notwendig.
Beide Speicher sind mit allen im Bedienungshandbuch des RETA beschriebenen Speicherfunktionen ansprechbar. Die Tastenfunktionen und Fehlercodes sind ohne Einschränkungen zutreffend.
Der ISER ist mit zwei Schnittstellen, einer V.24 für den Anschluss an das RETA und einer IFFS für den Auslesevorgang, ausgerüstet. Der ASR-88 besitzt nur eine V.24-Schnistellem über die alle Ein- und Ausgabefunktionen realisiert werden.

iser-asr-40

Bild 1: Speicher ISER und zwei ASR-88 (gemeinsam auf einem Blatt DIN A4)

Die bei ISER installierten Bedienelemente zum Ein- und Ausschalten sowie zum Löschen des Speicherinhalts sind beim ASR-88 nicht vorhanden (Bild 1), wodurch versehentliches Löschen der Daten ausgeschlossen ist. Das Gesamtlöschen des ASR-88 ist über die Software realisiert und kann nur am Computer nach Sicherung des Inhalts auf Diskette erfolgen.

2.1. Bedienung des ISER

Jedem Gerät wurde eine Bedienungskurzanleitung beigelegt. Zur Vermeidung von Datenverlusten bei der Arbeit mit dem ISER empfiehlt es sich, nachfolgende Hinweise zu beachten:
Nach etwa 4 bis 5 Wochen Betriebspause sollte der Speicher für mindestens 8 Stunden an eine 12-V-Spannungsquelle angeschlossen werden, wodurch die internen NC-Akkumulatoren genügend Ladung erhalten. ISER und RETA sollten von einer gemeinsamen Stromversorgung aus gespeist werden, wobei auf sichere Kontaktgabe zu achten ist, insbesondere beim Anschluss an eineKFZ – Bordsteckdose. Da im ISER eine interne Spannungskontrolle integriert ist, ertönt bei einer Versorgungsspannung unter 10,9 V ein akustisches Signal, das auf den notwendigen Batteriewechsel hinweist. Das ist insbesondere dann von Vorteil, wenn Tachymeter und Speicher aus getrennten Batterien gespeist werden. Unbedingt beachtet werden muss, dass der ISER immer nach dem RETA ein- bzw. vor dem RETA auszuschalten ist. Zur Erhöhung der Datensicherheit ist der ISER mit einem elektronischen Schalter versehen, der das Gerät bei Stromunterbrechung abschaltet. Sollten gehäuft solche Abschaltungen auftreten, so sind Versorgungsleitungen und Kontakte zu überprüfen.

2.2 . Bedienung des ASR-88

Zur Inbetriebnahme des ASR-88 ist das Reta auszuschalten und der Speicher auf das Tachymeter aufzusetzen. Danach kann das RETA eingeschaltet werden. Beim Aufsetzen des Speichers ist zu beachten, dass die Führungselemente neben dem Steckverbinder des Speichers in die Nuten des Griffes am RETA gleiten müssen.
Zur Gewährleistung des Datenerhalts sind vor und nach längeren Betriebspausen geladene NC-Akkus erforderlich. Deshalb ist der ASR-88 nach etwa 10 bis 12 Wochen für mindestens 8 Stunden an den Ausleseadapter anzuschließen.
Bereits bei Anzeige des Fehlercodes 21… ist sofort das RETA auszuschalten und der Akkumulator zu wechseln! Während des Speichervorganges darf das RETA nicht ausgeschaltet bzw. die Reset-Taste nicht betätigt werden, da sonst der Speichervorgang nicht richtig abgeschlossen wird. Die ordnungsgemäße Speicherfunktion ist dann nicht gewährleistet.

3. Ausblick

Mit dem ASR-88 ist zunächst der letzte externe Speicher im Rationalisierungsmittelbau des VEB Geodäsie und Kartographie entwickelt und gefertigt worden. Bei Bedarf kann jederzeit die Produktion wieder aufgenommen werden, wobei Weiterentwicklungen, z.B. bezüglich einer Kopplung mit RECOTA oder anderen Tachymetern, bei genügender Nachfrage möglich sind.
In Vorbereitung sind ein Anschlussgerät und Software, mit denen die Speicher ISER, ASR-88 und FSI 1016 (fürRECOTA) sowie FSE 1020/1032 und 2030/2032 an den Rechnern A 5121, PC 1715W und A 7150 ausgelesen werdenkönnen.