Christian August Nagel – Eine Kurzbiographie

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen der [...] Weiterbildung für Doktoranden als Zuarbeit für die Darstellung der Geschichte der Technischen Universität Dresden.
Während der nunmehr über 150jahrigen Geschichte der Technischen Universität Dresden trugen viele hervorragende Wissenschaftler durch ihr unermüdliches Wirken zur Vervollkommnung des menschlichen Wissens und der immer besseren Beherrschung verschiedener technischer Disziplinen bei.

 

Bild 1 Christian August Nagel, Professor für Geodäsie, 1821-1903 (Aus dem Archiv der Universitäts- Film- und Bildstelle der TU Dresden)

Bild 1 Christian August Nagel, Professor für Geodäsie, 1821-1903 (Aus dem Archiv der Universitäts- Film- und Bildstelle der TU Dresden)

Einer von ihnen ist der Geodät Christian August Nagel. Dieser ist wohl vor allem durch seine Arbeiten in der Internationalen Gradmessungskommission bekannt. Doch auch durch seine langjährige Tätigkeit an der Technischen Hochschule, der heutigen Technischen Universität Dresden, verlieh er der Geodäsie bedeutende Impulse.
Als Quellen dienten viele wertvolle Materialien aus dem Staatarchiv Dresden, dem Universitätsarchiv der TU Dresden, dem Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdner Zwinger sowie Nagels Werke. Die Fülle der Information konnte im Rahmen einer Kurzbiographie nicht völlig ausgeschöpft werden.

1. Nagels Leben und Schaffen

Nagel wurde am 17. Mai 1821 als sechstes Kind eines Stellmachers und dessen Ehefrau in Grünberg (bei Radeberg) geboren. Sein Vater beschäftigte sich neben dem Bau und der Reparatur von Uhren auch mit der topographischen Aufnahme seines Ortes, wozu ihm ein selbstgebauter Meßtisch und ein Diopterlineal zur Verfügung standen. ,Außerdem las er in freien Stunden gern wissenschaftliche Bücher, worunter ‘sich auch ein astronomisches befunden haben soll. Der Mutter, die sich vor allem um die Feld- und Viehwirtschaft kümmerte, oblag auch die Erziehung der Kinder, wobei sie durch ” ihre angeborene Klugheit und ihren Witz auf die geistige Entwicklung ihrer Kinder großen Einfluß” ausübte [1].
Zwei Jahre vor Gründung der technischen Bildungsanstalt und heutigen TU Dresden, also 1826, begann für den jungen Nagel der Dorfschulunterricht. Bereits mit 12 Jahren hatte er das, Ziel des Rechenunterrichts erreicht und konnte sich mit der Vervollkommnung des Wissens auf diesem Gebiet beschäftigen.
Da es ihm nicht gelang, ein Gymnasium zu besuchen, versuchte er nach seiner Konfirmation eine Lehrstelle zu bekommen. Warum er die Lehre, wie ursprünglich vorgesehen, als Buchdrucker oder als Tischler nicht antrat, ist nicht bekannt. Als “Messgehülfe beim Geodäten Wild” bekam er seine erste direkte Beziehung zur Geodäsie. Während der Arbeiten bis zum Spätherbst 1836 erlernte er nicht nur die Handhabung der Meßkette, sondern bemühte sich auch nach der anstrengenden Feldarbeit noch um Weiterbildung, wobei er vor allem die Rechnungen des Geodäten für sich wiederholte.
Noch im gleichen Jahr meldete sich Nagel, zur Aufnahmeprüfung für die Geodätenschule in der Hubertusburg. Nach einer Wiederholungsprüfung, die wegen einer Aufgabe mit Dezimalbrüchen nötig war, wurde er in die Schule aufgenommen. Im Juni 1837 konnte er erfolgreich verabschiedet werden. Das Urteil des Prüfenden bescheinigte Nagel Umsicht, Fleiß und Genauigkeit.
Am 12. Juni 1837 wurde der 16jährige Nagel als Geodät verpflichtet und arbeitete bis zum August 1841 in der Praxis. Am 9. August wurden die Geodäten entlassen, da die Arbeiten beendet waren.
Mit finanzieller Unterstützung seines Bruders gelang es ihm, einige Unterrichtsstunden in Mathematik zu absolvieren, um das Aufnahmeexamen an der Technischen Bildungsanstalt bestehen zu können. Im Jahre 1843 bestand Nagel die Prüfung als Feldmesser I. Klasse mit Auszeichnung. 18414 verließ er die Anstalt um am 1. April eine Anstellung als “Hülfsingenieur” beim Eisenbahnbau zu erhalten.
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